AusGeatmet. - Eine Rezension.

Sylvia Kling. Ein guter Name, wenn man sich der klingenden Sprache der Lyrik verschrieben hat. Und sie löst ein, was ihr Name verspricht. Bei ihr klingt es im Reim, es klingt im Rhythmus und es klingt im freien Vers. Sie weiß ihre Worte zu wählen und zu setzen.

 

 

Dabei ist Sylvia Kling vielfältig in ihrer Themenwahl. Doch ob sie nun über die Liebe selbst, die Heimat oder auch die Natur schreibt, sie schreibt mit Tiefe. Schnell merkt man, dass hier eine schreibt, die schreiben muss, weil sie etwas zu sagen hat. Eine, die sich verschenkt an das Leben und sich immer wieder auch daran aufreibt, bis sie an ihre Grenzen kommt.

 

 

Es sind kleine und große Fragen um unsere Gesellschaft, die sie „ruhelos denken“ - über ihre „zerlaufende Vergangenheit“ bis hin zu den politischen und sozialen Auswüchsen im Jetzt. Fragen um die Lieben(den) in ihrem Leben, die sie immer wieder weinen machen, mal golden flüsternd, mal rot schreiend: „Taut auf das Eis um mein Herz“.

 

 

Und es sind Antworten, die sie oft genug in der Natur und durch die Natur erhält. Oder wenigstens die Metaphern zu den Antworten. Da sind Wolken, Stürme und Sterne. Ozeanblaue und feuerrote Himmel. Wälder und Berge. Und immer wieder Wasser. Goldener Regen. Sonnengelbe Flüsse. In die sie oft genug das lyrische Ich hineinwirft, es forttreiben lässt, um so vom Persönlichen zum Allgemeingültigen in ihrer Lyrik zu gelangen.

 

 

Die Verknappung der Sprache durch die Entfernung des Ichs, ihre ganz eigene Verwendung von BinnenMajuskeln und bewusst gesetzten rhythmischen Holperern, so wie eine beim Schreiben noch nach einer tieferen Bedeutung suchende Formgebung ihrer Gedichte … zwingen einen förmlich beim Lesen innezuhalten, nochmals zu lesen, Pausen zu denken, voran zu fühlen und rückwärts zu blättern.

 

 

„Erzählt allen Sehenden Geschichten der Vergangenheit“, denn „nicht die Vergangenheit ist eine Lüge“, sondern zu „jammern und beklagen den Untergang vom Sonnenland“ ohne etwas dagegen zu tun. Folgt den Zeichen, die „aus rostigen Ketten sich befreien, im WildLeben sich einzureihen“. „Die Spuren entschlüsselt der Blinde“.

 

 

Sylvia Kling hat Glaube, Liebe, Hoffnung noch nicht aufgegeben. Und ihre Gedichte erzählen davon. Sinnenfreudig, tiefgründig, lustvoll. Und nicht zuletzt auch, in vielen ihrer Liebesgedichte, erotisch.


Angereichert wird das Ganze, gewürzt manchmal, manchmal verdeutlicht und bisweilen gar verschleiert durch wundervolle Kugelschreiber-Zeichnungen von Khalid Aouga.

 

 

Ich würde sagen: >AusGeatmet< sollte der Liebhaber von Lyrik kaufen. Und lesen. Und wieder lesen. Immer wieder lesen. Linear und kreuzundquer. Hungrig. Und mit weitem Herzen. Denn dies ist Lyrik, die es verdient, geliebt zu werden.

 

 

Das Buch-Cover
Das Buch-Cover
Eine Zeichnung von Khalid Aouga
Eine Zeichnung von Khalid Aouga

 

  • Taschenbuch: 152 Seiten
  • Verlag: epubli GmbH; Auflage: 6 (1. Oktober 2015)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3737567611
  • ISBN-13: 978-3737567619
  • Preis: 9,50 EUR

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Kommentare: 1
  • #1

    Sylvia Kling (Mittwoch, 04 Mai 2016 15:46)

    Lieber Jürgen,

    noch immer bin ich sehr berührt von Deinen wundervollen Zeilen zu meinem "Baby". Noch immer kann ich nur ganz leise und von ganzem Herzen ein "Danke" schreiben. Doch auch möchte ich erwähnen, dass Du mit Deiner Sprachgewalt in Deinen Gedichten meine lyrische Seele noch immer am meisten füllst.
    Nichts sehnlicher wünsche ich mir, als einen Gedichtband mit Deinen Arbeiten darin in meinen Händen zu halten. :-)

    Herzensgrüße

    Sylvia